'Frieden im Geist der Menschen verankern' - Ausstellung gegen Atomwaffen

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Von Ramesh Jaura

Wien - "Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden", heißt es in der Präambel der Satzung der Weltkulturorganisation UNESCO. Diese Worte haben es Ana María Cetto besonders angetan. Sie waren in Wien bei einer Ausstellung gegen Atomwaffen auf einer der 36 ausgestellten Tafeln zu lesen, die den Trugschluss einer auf Waffen begründeten Sicherheit entlarvten.

"Das ist einer der anrührendsten Sätze, die je in UN-Satzungen festgeschrieben wurden", meint Cetto, Stellvertretende Generaldirektorin der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die die Ausstellung 'From a Culture of Violence to a Culture of Peace: Transforming the Human Spirit' vom 4. bis 15. Oktober bei den Vereinten Nationen in Wien eröffnete.

Unheilvolle Apathie

"Ausstellungen wie diese, die sich für den Frieden einsetzen, dienen einen einzigen Ziel: den Frieden im Geist der Menschen zu verankern", sagt Cetto. Sie zitiert einen weiteren Aphorismus, der ebenfalls auf der Ausstellung zu lesen war. "Die stumme Gewalt der Apathie" beschreibe den menschlichen Wunsch nach einem bequemen Leben, in den das Leid anderer Menschen keinen Platz habe.

"Apathie ist eine große Bedrohung für die Verteidigung des Friedens", sagt sie. "Sie ist der Elternteil, der uns einflüstert, dass der Einzelne nicht viel ausrichten kann, dass die Probleme fern lebender Menschen nicht zu ändern und längst nicht so schrecklich sind und außerdem von den Betroffenen selbst verursacht wurden."

Auf die Frage, was das Besondere an der Wiener Ausstellung gewesen sei, antwortet Cetto: "Sie hat die Grundbedeutung der menschlichen Sicherheit hinterfragt und verdeutlicht, dass Apathie Probleme schaffen kann, die weit über das Lokale hinausgehen."

Entwicklung und Sicherheit - zwei Seiten einer Medaille

"Bei der IAEA sind wir überzeugt, dass in der menschlichen Sicherheit der Schlüssel zum Weltfrieden liegt", so die Vizechefin der1957 als 'Atome für den Frieden' gegründeten UN-Organisation. "Wir sind der Meinung, dass es ohne Entwicklung keine dauerhafte Sicherheit geben kann, und dass ohne Sicherheit keine nachhaltige Entwicklung möglich ist.

Besonders an der Ausstellung war auch die Wahl ihres Ortes. Gezeigt wurden die Exponate gegen Atomwaffen am Sitz der Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen' (CTBTO) und etlicher anderer UN-Agenturen.

Die 1996 ins Leben gerufene CTBTO-Vorbereitungskommission ist eine Interimsorganisation, die damit beauftragt ist, ein Verifizierungssystem für ein Umfassendes Abkommen zur Vermeidung von Atomtests (CTBT) zu entwickeln. Es dient der Vorbereitung für ein Inkrafttreten und zur Förderung der Universalität des Abkommens.

Keine größeren Atomtests seit vielen Jahren

Li Genxin, Direktor der Abteilung für Außenbeziehungen und Rechtsfragen der Vorbereitungskommission für die CTBTO freut, dass es zu keinen größeren Atomtests, wie in früheren Jahrzehnten gekommen ist. "Wir haben den Umfassenden Teststoppvertrag (CTBT) und ein funktionierendes Verifizierungssystem, das in der Lage ist, die Einhaltung des Atomtestverbots wirkungsvoll zu überwachen."

"Allerdings ist die rechtliche Tür trotz eines Atomtestmoratoriums noch nicht fest verschlossen", meinte Genxin Li in seiner Ausstellungseröffnungsrede. Auch wenn 182 Staaten den CTBT unterzeichnet und 153 ihn ratifiziert haben, ist er noch immer nicht in Kraft. Genau das aber wäre ein wichtiger Schritt in Richtung nukleare Abrüstung und gegen die Verbreitung von Atomwaffen.

Damit dieser Schritt getan werden kann, "verlangen wir von der internationalen Gemeinschaft äußerste Geschlossenheit". Es sei wichtig, das allgemeine Interesse zu wecken und der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass die atomare Abrüstung eine Angelegenheit ist, die sie direkt betreffe, so der CTBTO-Vertreter. "Die Volksaktionsdekade zur nuklearen Abrüstung ist die Art der Graswurzelaktivität, die dazu beitragen könnte, das Ziel zu erreichen."

Die Ausstellung in der österreichischen Hauptstadt wurde vom NGO-Komitee für Frieden in Wien und 'Soka Gakkai International'(SGI) organisiert, einer in Tokio ansässigen buddhistischen Vereinigung, die erstmals 2007 als Teil der Kampagne die Volksaktionsdekade zur nuklearen Abrüstung mit dem Ziel ausgerufen hatte, um die Öffentlichkeit gegen Atomwaffen und für eine Atomwaffenkonvention (NWC) einzunehmen.

Atomwaffen als Tötungsmaschinen

"Wir wissen um die zerstörerische Kraft von Atomwaffen, und als Arzt kann ich Ihnen garantieren, dass es gegen diese Krankheit kein Mittel gibt", sagte Klaus Renoldner, Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation (NGO) 'Komitees für Frieden' in Wien und Vertreter der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). "Eine megatonnenschwere Bombe hat das Potenzial, eine große Stadt zu zerstören und mindestens eine Million unschuldiger Menschen zu töten. Da gibt es nur eine Präventionsmaßnahme: Atomwaffen abzuschaffen."

Die Ausstellung bei den Vereinten Nationen in Wien brachte Atomwaffen mit dem Thema der menschlichen Sicherheit in Verbindung und warb für die nukleare Abrüstung als Voraussetzung für menschliche Sicherheit. Sie offenbarte ferner die Notwendigkeit, in der Atomwaffenfrage einen Werte- und Perspektivewandel zu erzielen. So müsse die Menschheit im Interesse der menschlichen Sicherheit vom alten Konzept der waffenbasierten Sicherheit abkommen und den Übergang von einer Kriegs- zu einer Friedenskultur vollziehen.

Seitdem sie ins Leben gerufen wurde, wurde die Ausstellung gegen Atomwaffen in mehr als 200 Städten in 24 Ländern gezeigt. So war sie von April bis Mai 2008 im Palast der Nationen in Genf während der Sitzung des Vorbereitungskomitees des Atomwaffensperrvertrags (Non-Proliferation Treaty - NPT) zu sehen.

Im September 2009 wurde sie im mexikanischen Senatsgebäude während der von der UN-Informationsabteilung und NGOs veranstalteten 62. Jahreskonferenz gezeigt. Im Dezember 2009 war sie im Konventions- und Ausstellungszentrum parallel zur Tagung des Parlaments der Weltregionen in Melbourne zu sehen, während dort das Parlaments der Weltregionen tagte. Im Februar 2010 kam sie ins Atombombenmuseum in Nagasaki.

Ausstellung mit universeller Botschaft

"Diese lange Reise ist an sich schon ein Zeugnis für die Universalität der Botschaft, die die Ausstellung mit sich bringt", betont Cetto. "In Wien jedoch stieß sie auf eine besonders große Resonanz, weil sie in dem Gebäude gezeigt wurde, in dem die internatonale Gemeinschaft ihre Kräfte mobilisiert, um eine Welt zu schaffen, die frei von den Gefahren der nuklearen Verbreitung und Atomstests ist und uns dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt näher bringt."

Die Wiener Ausstellung folgte wenige Monate nach der NPT-Revisionskonferenz im May 2010 in New York. Auf der Konferenz äußerten die Teilnehmer ihre tiefe Sorge über die katastrophalen menschlichen Konsequenzen, die jeder Atomwaffeneinsatz mit sich bringt. "Sie unterstrich die Notwendigkeit, dass sich alle Staaten zu jeder Zeit an das anwendbare internationale einschließlich internationale humanitäre Gesetz halten", sagte der Hirotsugu Terasaki, der SGI-Vizepräsient und -Exekutivdirektor für Friedensangelegenheiten.

"Im Gegensatz zu den vielen zwischenstaatlichen Debatten über die atomare Frage, die häufig im Rahmen einer politischen und militärischen Logik gesehen wird, ist die Sprache im Abschlussdokument Ausdruck menschlicher Werte und menschlicher Würde", sagte der SGI-Vizepräsident Hiromasa Ikeda in seiner Eröffnungsrede.

Zum ersten Mal habe das Abschlussdokument einer Konferenz Bezug auf Vorschläge genommen, Atomwaffen über eine Atomwaffenkonvention verbieten zu lassen, so Ikeda. Dieses Ergebnis sei als ein Verdienst der globalen Zivilgesellschaft und der Regierungen zu sehen, die eine gemeinsame Vision verbinde. "Wir müssen diese Erfahrung zum Ausgangspunkt unserer weiteren und schrittweise erfolgenden Zusammenarbeit auf dem Weg zur NWC machen", überbrauchte der SGI-Vizepräsident die Botschaft seines Vaters Daisaku Ikeda, der der Organisation vorsitzt.

Die Ausstellung ist im in den Sprachen Englisch, Spanisch, Chinesisch, Japanisch, Thailändisch und Nepalisch erhältlich. Eine deutschsprachige Version soll ebenso bald zur Verfügung stehen. Außerdem ist vorgesehen, die Ausstellung bald in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen Österreichs zu zeigen. "Es gibt nichts Wichtigeres als junge Menschen mit dem Vertrauen auszustatten, dass sie eine Welt ohne Atomwaffen ermöglichen können", so Terasaki. (Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann | 20-10-2010)

http://www.sgi.org
http://www.iaea.org
http://www.ctbto.org/
http://www.peoplesdecade.org

 

 

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