Anti-Atomwaffen-Bewegung zieht an den Golf

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Von Baher Kamal

Manama (IPS) – Nach ihren einwöchigen Aktivitäten in Oslo im Rahmen der Konferenz über die Auswirkungen von Atomwaffen auf die Menschen ist die Bewegung für atomare Abrüstung in die bahrainische Hauptstadt Manama gereist, um für eine atomwaffenfreie Zone Nahost zu werben.

"Atomwaffen sind die unmenschlichsten und zerstörerischsten aller Kriegswaffen und stehen an der Spitze der Gewaltpyramide in dieser zunehmend von einander abhängigen Welt", sagten Aktivisten bei der Vorstellung einer Anti-Atomwaffen-Ausstellung am 11. März in Manama. "Die Gefahr von Atomwaffen ist nicht Vergangenheit. Sie ist gegenwärtig."

Organisiert haben die Ausstellung 'Von einer Kultur der Gewalt zur Kultur des Friedens – Für eine atomwaffenfreie Welt', die vom 12. bis 23. März in der bahrainischen Hauptstadt zu sehen ist, die zivilgesellschaftliche Vereinigung 'Soka Gakkai International' (SGI) und die Anti-Atomwaffen-Organisation ICAN mit Unterstützung des UN-Informationszentrums in Manama. Gefördert wird sie von den bahrainischen und japanischen Außenministerien.

"Diese Ausstellung ist ein weiterer Schritt, damit die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in einer atomwaffenfreien Welt Wirklichkeit werden können", sagte der SGI-Exekutivsekretär für Friedensfragen, Hirotugu Terasaki, gegenüber IPS. "Allein schon die Existenz dieser Waffen – der unmenschlichsten überhaupt – ist eine Gefahr", sagte Terasaki, der sich für eine mehr als zwölf Millionen Mitglieder zählenden buddhistischen Organisation engagiert.

Von Sicherheitsdoktrin verabschieden

Angesprochen auf das von den Atommächten häufig bemühte Argument, dass der Besitz solcher Waffen ein Garant für Sicherheit sei ('Abschreckungsdoktrin'), antwortete Terasaki: "Die Welt sollte sich nun von diesem Mythos verabschieden." Sicherheit sei eine Frage grundlegender menschlicher Bedürfnisse wie Unterkunft, saubere Luft zum Atmen, Nahrungsmittel, Arbeit und der Schutz vor Krankheit und Gewalt.

Terasaki zufolge unterscheiden sich Kernwaffen in zweierlei Hinsicht von herkömmlichen Waffen. "Zum einen zeichnen sie sich durch eine überwältigende destruktive Kraft aus. Die Atombombe, die 1945 auf Hiroshima abgeworfen wurde, hat eine Druckwelle erzeugt, die der Sprengkraft von 13.000 Tonnen TNT entsprach", sagte er.

Bis Ende jenes Jahres starben 140.000 Menschen an den Folgen. "Da Atomwaffen mit einer Kapazität von mehr als 50 Megatonnen entwickelt werden, sind sie etliche 1.000 Mal stärker als die Bombe auf Hiroshima. Während konventionelle Waffen bis zu einem bestimmten Grad zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden können, töten Kernwaffen ausnahmslos", so Terasaki.

Zum zweiten hinterlassen sie Radioaktivität. Wenn nach einer Detonation Ruhe eingekehrt ist, bleibt das betroffene Gebiet über Monate hinweg hochgradig radioaktiv verseucht und kann Leukämie und andere Krankheiten selbst bei denjenigen Menschen verursachen, die sich nur kurze Zeit in der betroffenen Zone aufhalten. Die Krankheiten werden zudem über Generationen weitergegeben.

Vor ihrer Ankunft in Bahrain war die SGI-Ausstellung in 230 Städten in 29 Ländern zu sehen. Die Texte, die die Fotoausstellung begleiten, wurden in acht Sprachen einschließlich ins Arabische übersetzt.

Die Gespräche in Bahrain sind als Beitrag zu den Diskussionen über eine atomwaffenfreie Zone Nahost gedacht. Sie seien "ehrlicher Ausdruck des wahren Geistes des Islam", meinte der bahrainische Außenminister Ghanim bin-Fadl Al-Buainain auf einer Pressekonferenz. "Die reine Bedeutung des Islam heißt Frieden", sagte er.

Al-Buainain kam auf den dritten Atomtest in Nordkorea im letzten Monat ebenso zu sprechen wie auf das iranische Atomprogramm, dass auch dann eine Gefahr für die Region darstellen würde, wenn es ausschließlich friedlich genutzt würde. Es habe Folgen für Umwelt, wildlebende Tiere und Meereslebewesen.

Der japanische Botschafter in Manama, Shigeki Sumi, bekräftigte die Verpflichtung Japans, seine Atomwaffen abzuschaffen, zumal Japan das bisher einzige Land sei, dass die katastrophalen Folgen des Atombombenabwurfs für die Menschen erlitten habe.

Zeit für atomare Abrüstung


Der für die Region zuständige ICAN-Vertreter in Bahrain, Nasser Burdestan, betonte die Notwendigkeit, die Bemühungen der sogenannten 'menschlichen Diplomatie' voranzubringen. "Biologische Waffen wurden 1975 verboten, Landminen 1999 und Streumunition 2010. Es ist nun an der Zeit, die Kernwaffen abzuschaffen", sagte er.

Der Ausstellung in Bahrain sind zwei Veranstaltungen in Oslo vorangegangen: das Zivilgesellschaftliche Forum von ICAN vom 2. bis 3. März, an dem mehr als 500 Aktivisten, Experten, Wissenschaftler und Ärzte teilgenommen hatten, und die Konferenz vom 4. bis 5. März mit den Vertretern von 127 Staaten sowie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, allesamt Atommächte, blieben den Treffen in Norwegen fern. Nach Schätzungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI waren Anfang 2012 acht Staaten im Besitz von fast 4.400 einsatzbereiten Atomwaffen. Zählt man alle weltweit vorhandenen Kernwaffen im Besitz von USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan und Israel zusammen, kommt man auf 19.000.

Der SGI-Präsident Daisaku Ikeda hat einen dreiteiligen globalen Friedensvorschlag unterbreitet. Bis spätestens 2030 soll dann die Welt frei von Atomwaffen sein. Der Vorschlag sieht auch vor, dass Nichtregierungsorganisationen und weitsichtige Regierungen eine Aktionsgruppe einrichten, die bis zum Jahresende den Prozess für den Entwurf einer Konvention zur Ächtung von Atomwaffen einleiten, die jedes Jahr 105 Milliarden Dollar an Kosten verursachen.

Wie aus der ICAN-Studie 'Don’t Bank on the Bomb' hervorgeht, investieren mehr als 300 Banken, Pensionsfonds, Versicherungsunternehmen und Vermögensverwalter aus 30 Ländern in Unternehmen, die Atomwaffen herstellen. 20 Unternehmen produzieren, warten und modernisieren die US-amerikanischen, britischen, französischen und indischen Atomwaffenbestände.
[Deutsche Bearbeitung | IPS Deutscher Dienst | 12. März 2013]

 

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