ICAN-Anti-Atomwaffenbewegung beschließt Massenproteste

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Von Ramesh Jaura

Oslo (IDN) – Die Anti-Atomwaffenorganisation ICAN hat auf einem Forum in Oslo mit Unterstützung Norwegens die Weichen für die Entstehung einer globalen Bewegung zur Ächtung von Atomwaffen gestellt. Ausgewählte ICAN-Mitglieder aus Ägypten, Nigeria, Südafrika, Brasilien, Costa Rica, Deutschland und Schweden wurden damit beauftragt, eine breite Öffentlichkeit für ein 'Verbot der Bombe' zu mobilisieren.

Rund 400 Aktivisten hatten an der zivilgesellschaftlichen Veranstaltung vom 2. bis 3. März in der norwegischen Hauptstadt teilgenommen. Bis zum 5. März verhandeln Regierungsvertreter aus 130 Staaten am gleichen Ort über die Auswirkungen von Kernwaffen auf die Menschen. Die fünf Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien, die gleichzeitig die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sind, hatten ihre Teilnahme an der Konferenz abgesagt.

In ihrer Entscheidung bestärkt wurde ICAN durch die Zeugenaussagen von Überlebenden der Bombenanschläge auf Hiroshima und Nagasaki 1945. Darüber hinaus schilderten Experten die möglichen gesundheitlichen, sozialen und klimatischen Folgen einer Atombombenexplosion.

Verheerende Folgen

Der Wissenschaftler Alan Robock berichtete, dass schon ein kleiner atomarer Schlagabtausch zwischen Indien und Pakistan ausreichen würde, um so viel Rauch zu entwickeln, dass mehr als ein Jahrzehnt lang die Einstrahlung der Sonne insbesondere in der nördlichen Hemisphäre blockiert wäre. Zudem bestünde die Gefahr eines atomaren Winters und einer Hungersnot, die Milliarden Menschen beträfe.

Ira Helfand von den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) beschrieb die möglichen Folgen eines Atombombenangriffs auf New York. Im Umfeld des Explosionszentrums von drei Kilometern wäre es nach einer Millionstel Sekunde heißer als an der Oberfläche der Sonne und durch die entstehende Druckwelle alles Leben vernichtet. Der Feuerball würde verbrennen, was entzündlich ist, und den gesamten Sauerstoff konsumieren. Und dies wären nur die unmittelbaren Auswirkungen – hinzu kämen die Langzeitfolgen der radioaktiven Verseuchung und der Klimabelastung.

Wie Tony Robinson, internationaler Sprecher der Organisation Welt ohne Krieg und Gewalt, betonte, sind die von den Wissenschaftlern beschriebenen Horrorszenarien eher unter- als übertrieben, basieren die Hochrechnungen der Forscher auf der Explosion eines Bruchteils der geschätzten 19.000 atomaren Sprengköpfe, deren Unterhaltungskosten auf jährlich 105 Milliarden US-Dollar geschätzt werden. Es gebe keinen Zweifel daran, dass der Planet Erde einen nuklearen Winter und jahrelange Ernteausfälle erleben würde.

Thomas Nash vom ICAN-Lenkungsausschuss zeigte sich zuversichtlich, was den Erfolg der Bemühungen um ein internationales Abkommen zur Ächtung von Atomwaffen betrifft. "Wir alle haben immer wieder gefordert, dass sich die Regierungen mit den Folgen von Atomwaffeneinsätzen auseinandersetzen müssten. Und jetzt ist es das, was 130 Regierungen in dieser Stadt tun werden."

Nash von 'Article 36', dem britischen Arm von ICAN, hatte sich bereits aktiv für das internationale Streubombenverbot eingesetzt. Dass ein entsprechendes Abkommen – das Übereinkommen über Streumunition (CCM) – 2008 in Oslo unterzeichnet werden konnte, stimmt nach Ansicht von Beobachtern optimistisch, was die besondere Rolle Norwegens bei der Vorbereitung solcher Übereinkommen anbetrifft. Die verheerenden Auswirkungen und inakzeptablen Schäden durch Streubomben waren letztlich entscheidend für das CCM. Ein Drittel aller registrierten Streubombenopfer sind Kinder.

Nash zufolge hat das ICAN-Forum die Hoffnung geschürt, dass die Menschheit der Ächtung aller Massenvernichtungswaffen einen entscheidenden Schritt näher gekommen sei. So seien aufgrund humanitärer Erwägungen bereits die biologischen und chemischen Waffen, Landminen und Streumunition geächtet worden. Die Staatssekretärin im norwegischen Außenministerium, Gry Larsen, meinte dazu, dass die Eliminierung von Atomwaffen keine Utopie mehr sei. Norwegen steht als NATO-Mitglied unter dem atomaren Schutzschild der USA.

Nash sprach den Teilnehmern offenbar aus der Seele, als er erklärte, wie wichtig es sei, an das Anti-Atomwaffen-Abkommen zu glauben. "Wenn wir zusammenhalten und unsere Kampagne respektvoll und inklusiv in den nächsten Wochen und Monaten durchziehen, werden wir uns eher, als wir uns das vorstellen können, in einem Prozess zur Verhandlung eines Atomwaffenverbots wiederfinden."

ICAN-Vertreter wollen mit Regierungen, den Internationalen Rot-Kreuz- und Halbmond-Gesellschaften und anderen Partnern für ein Anti-Atomwaffenabkommen eintreten. In diesem Zusammenhang begrüßte der ICAN-Projektmanager Magnus Lovold den Friedensvorschlag von Daisaku Ikeda, dem Präsidenten der buddhistischen Organisation 'Soka Gakkai International' (SGI).

Ikeda brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Nichtregierungsorganisationen und weitsichtige Regierungen Aktionsgruppen einrichten, damit noch vor Jahresende mit dem Prozess für den Entwurf einer Atomwaffenkonvention begonnen werden könne.
SGI war auf dem ICAN-Forum mit der Ausstellung 'Alles was du schätzt – für eine atomwaffenfreie Welt' vertreten, die erstmals auf dem IPPNW-Weltkongress in Hiroshima im August 2012 gezeigt worden war. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt von SGI und ICAN. Sie besteht aus 40 Stellwänden, auf denen das Thema Atomwaffen aus der humanitären, ökologischen, medizinischen, menschenrechtlichen, energetischen, wissenschaftlichen, politischen, geschlechtsspezifischen, sicherheitspolitischen, spirituellen und der Generationensicht betrachtet wird.

Wie der SGI-Exekutivdirektor für Friedensangelegenheiten, Hirotugu Terasaki, betonte, sollte die Ausstellung auch an den 55. Jahrestag der Forderung nach einer Abschaffung von Atomwaffen erinnern, die der zweite SGI-Präsident Josei Toda am 8. September 1957 vorgebracht hatte.

[Deutsche Bearbeitung | IPS Deutscher Dienst | 4. März 2013]

Original > http://www.indepthnews.info/index.php/global-issues/1467-ican-resolved-to-ban-nukes

 

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