Lateinamerika Atomwaffenfrei seit 45 Jahren

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Von Emilio Godoy

Mexiko-Stadt (IPS) – Lateinamerika und die Karibik wollen den Einsatz von radioaktiven Materialien stärker kontrollieren und anderen Teilen der Welt bei der Einrichtung atomwaffenfreier Zonen helfen. Konkreter Anlass für die Bekanntgabe der Pläne: Am 14. Februar ist das Abkommen von Tlatelolco 45 Jahre alt geworden. Es verbietet der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten, Atomwaffen zu testen, herzustellen, zu beschaffen und einzusetzen.

"Die atomare Abrüstung bleibt auch weiterhin eine regionale Priorität", versicherte die Staatssekretärin für politische Angelegenheiten im brasilianischen Außenministerium, Vera Machado. "Es liegt in unserem ureigenen Interesse, die wir keine Atomwaffen besitzen, dass uns die Atomwaffenstaaten verbindlich zusagen, diese Waffen niemals gegen uns zu richten."

Delegationen aus allen 33 Vertragsstaaten des Tlatelolco-Vertrags hatten sich vom 14. bis 15. Februar in der mexikanischen Hauptstadt eingefunden, um den 45. Jahrestag der Übereinkunft gemeinsam zu begehen, die den Grundstein für eine atomwaffenfreie Zone Lateinamerika/Karibik gelegt hatte. Tlatelolco ist ein Viertel in Mexiko-Stadt, in dem der gleichnamige Vertrag zur Unterschrift auslag.

Diesem besonderen Abkommen ist zu verdanken, dass die Region seit 1967 – als erste von insgesamt fünf atomwaffenfreien Zonen, die 114 Staaten umfassen – atomwaffenfrei ist. Treibende Kraft hinter dem Abkommen war Mexiko.

Herausforderungen

Auf einem Seminar zum Anlass der Feierlichkeiten betonten die Teilnehmer in Mexiko-Stadt die Notwendigkeit, die in verschiedenen Vertragsstaaten lagernden radioaktiven Materialien zu vernichten, den Umgang mit Atom-U-Booten und Atommülltransporten zu regeln und die Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt zu verstärken. "Es ist wichtig, dass wir verhindern, dass Drittländer ihre Atomwaffentechnologie in die Region bringen", meinte Irma Argüello von der unabhängigen argentinischen Stiftung für Nichtverbreitung und globale Sicherheit.

Vor allem zwei Themen weckten das besondere Interesse der Seminarteilnehmer: das umstrittene iranische Atomprogramm und die Entsendung britischer Atom-U-Boote zu den von Argentinien beanspruchten Falklandinseln (Malwinen). Wie die in Mexiko-Stadt versammelten Delegationsmitglieder erklärten, könnte die atomwaffenfreie Zone Lateinamerika/Karibik der Nahostregion als Pate stehen. "Wir müssen im Interesse einer atomwaffenfreien Nahostregion die ewigen Gegenargumente entkräften", sagte die brasilianische Staatssekretärin Machado. [Deutsche Bearbeitung | IPS Deutscher Dienst | 16. Februar 2012]

 

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