Asiens Entscheidungsträger für atomwaffenfreie Region

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Von Thalif Deen

New York (IPS) – Einflussreiche Politiker, Diplomaten und Militärs aus dem asiatisch-pazifischen Raum haben sich zusammengeschlossen, um die internationalen Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt mit einer regionalen Abrüstungsinitiative zu unterstützen.

"Die Abschaffung von Atomwaffen kann nicht ohne das entschiedene Engagement der politischen Entscheidungsträger gelingen", meinte Australiens ehemaliger Außenminister Gareth Evans, der Motor hinter dem regionalen Vorstoß.

In keiner anderen Weltregion gibt es mehr Staaten, die im Besitz von Atomwaffen sind. China, Indien, Pakistan und aller Wahrscheinlichkeit nach auch Nordkorea verfügen über derartige Massenvernichtungswaffen.

"Auch wenn sich die Erfindung von Nuklearwaffen nicht rückgängig machen lässt, so können und müssen wir sie wie biologische und chemische Waffen verbieten", heißt es in einer Mitteilung des in diesem Monat gegründeten Asiatisch-Pazifischen Führerschaft-Netzwerks für nukleare Nichtverbreitung und Abrüstung (APLN).

"Wir sind der Meinung, dass wir eine besondere Verantwortung tragen, einen Wandel im asiatisch-pazifischen Raum herbeizuführen", so die Gruppe, der fünf ehemalige Regierungschefs und zehn Außen- und Verteidigungsminister angehören. Dazu zählen die Ex-Ministerpräsidenten James Bolger und Geoffrey Palmer (Neuseeland), Malcom Fraser (Australien) und Yasuo Fukuda (Japan).

Atomares Spannungsfeld

Experten sind sich einig, dass der Asien-Pazifik-Region eine entscheidende Rolle zukommt, um das Ziel einer atomwaffenfreien Welt zu erreichen. Dazu heißt es in der APLN-Mitteilung: "Wir haben mit atomwaffenfreien Zonen in den Abkommen von Raratonga und Bangkok den Weg für die atomare Abrüstung vorgegeben. Gleichzeitig jedoch sind Südasien und die koreanische Halbinsel zwei von nuklearen Spannungen besonders bedrohte Weltregionen."

Nach Ansicht von John Burroughs, dem geschäftsführenden Direktor der Anti-Atomwaffenorganisation 'Lawyers Committee on Nuclear Policy', kommt die APLN-Initiative zur rechten Zeit. So gäben nicht nur das atomare Wettrüsten zwischen Indien und Pakistan und das nordkoreanische Atomwaffenprogramm Anlass zu Sorge. Auch die zunehmende Abhängigkeit von Atomstrom sei ein weiteres Problem.

Wie aus dem APLN-Papier weiter hervorgeht, existieren weltweit 23.000 Kernwaffen mit einem Zerstörungspotenzial, das dem 150.000-Fachen der Hiroschimabombe entspricht. "Dass der nukleare Frieden seit 1946 anhält, hat mehr mit Glück als mit Verantwortungsbewusstsein zu tun." Doch in einer Welt, in der es immer mehr Atomwaffenstaaten, neue Spannungen und moderne Rüstungssysteme gebe, könne nicht davon ausgegangen werden, dass das Glück anhalte.

Nach Ansicht von Hirotsugu Terasaki, Exekutivdirektor für Friedensfragen der buddhistischen Organisation 'Soka Gakkai International', kommt Asien ohne Zweifel eine besondere Rolle zu, um das Ziel einer atomwaffenfreien Welt zu erreichen. "Ich unterstütze die Ansichten, die im APLN-Statement in dieser Frage zum Ausdruck kommen", sagte er. Die gemeinsamen Bemühungen um eine Verringerung der atomaren Bedrohung und um gegenseitiges Vertrauen seien von größter Bedeutung. "Nur Geduld und Beharrlichkeit können die Mauern der Angst und des Misstrauens einreißen, die Regierungen veranlassen, auf Atomwaffen zu setzen." [Deutsche Bearbeitung | IPS Deutscher Dienst | 22. Dezember 2011]

Originalbeitrag > http://ipsnews.de/news/news.php?key1=2011-12-22%2013:06:35&key2=1

 

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