Mehrheit der Israelis für atomwaffenfreie Nahostregion

AddThis

Von Mitchell Plitnick

Washington (IPS) – Eine große Mehrheit jüdischer Israelis würde sich auch unter der Bedingung, dass Israel seine Atomwaffen abschaffen müsste, für einen atomwaffenfreien Nahen Osten einsetzen. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt das renommierte 'Brookings Institute' in Washington, das die Meinungen von jüdischen und palästinensischen Israelis zu jüngsten politischen Entwicklungen in zwei unterschiedlichen Umfragen eingeholt hat.

90 Prozent der interviewten israelischen Juden gehen davon aus, dass der Iran an einer Atombombe baut. 63 Prozent wäre es deshalb lieber, wenn kein Land in der Region Atomwaffen besäße. 19 Prozent erklärten, dass sie, da sie nur zwei Optionen zu Auswahl hätten, die atomare Bewaffnung beider Seiten befürworten würden.

Der Nahostexperte Shibley Telhami, der die Umfragen durchgeführt hatte, fand heraus, dass zwischen 41 und 43 Prozent einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen begrüßen würden. Dieser Meinung schlossen sich nur vier Prozent der arabischen Israelis an. 68 Prozent lehnten einen solchen Schritt ab.

Die Umfragen ergaben ferner, dass die meisten israelischen Juden der Meinung sind, dass sich der Arabische Frühling negativ auf Israel auswirken werde, weil keine Demokratie zu erwarten sei. 51 Prozent fürchten sogar negative Folgen für Israel. 21 Prozent zufolge wird es keinen Unterschied geben.

Auf die Frage, ob sie der Übergabe arabisch-palästinensischer Städte an einen neuen palästinensischen Staat befürworten würden, antworteten 78 Prozent der palästinensischen Israelis mit 'Nein' und nur 17 Prozent mit 'Ja'. 2010 hatten erst 58 Prozent dagegen und 36 Prozent dafür gestimmt.

Geringerer Rückhalt für Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge

Größere Meinungsverschiebungen stellte der Brookings-Forscher Telhami im Zusammenhang mit dem Recht palästinensischer Flüchtlinge, in ihre Heimatgebiete zurückkehren zu dürfen. 2010 hatten 57 Prozent der arabischen Israelis erklärt, dass gegen dieses Recht nicht verstoßen werde dürfe. 28 Prozent meinten, dass das Recht zwar wichtig sei, aber dennoch eine Kompromisslösung gefunden werden müsse. Elf Prozent erklärten, das Recht nicht allzu wichtig zu finden.

In der diesjährigen Umfrage hingegen bestätigen nur noch 57 Prozent einen solchen Rechtsanspruch, während 34 Prozent eine Kompromisslösung befürworte. 34 Prozent erklärten, das Recht nicht für allzu wichtig zu halten.

Was den Status von Arabern in Israel angeht, gehen die Meinungen weit auseinander. Während zwar die Mehrheiten beider Gruppen (52 Prozent der Juden, 57 Prozent der Araber) weitgehend darin übereinstimmen, dass die arabische Minderheit in Israel rechtlich gleichgestellt sei, aber institutionell und sozial diskriminiert werde, bezeichneten 36 Prozent der Araber das Verhältnis zwischen Juden und Arabern als "Apartheidsbeziehung". Auf jüdischer Seite hingegen stimmten dieser Ansicht nur sieben Prozent zu. 33 Prozent ließen verlauten, dass zwischen arabischen und jüdischen Bürgern völlige Gleichheit herrsche, was auf arabischer Seite nur drei Prozent einräumen wollten.

Wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Nahostkonflikts

Jüdische Israelis sind skeptisch, was die Lösung des Nahostkonflikts in naher Zukunft angeht. Nur sechs Prozent gehen davon aus, dass sich der Konflikt innerhalb der nächsten fünf Jahre beilegen lässt. 49 Prozent erklärten, dass er nie gelöst und 42 Prozent, dass ein Ende vorerst nicht wahrscheinlich sei.

Unter jüdischen Israelis herrscht weitgehend Einigkeit in der Frage, dass Israel von der Palästinenser- Behörde als jüdischer Staat anerkannt werden müsse. 39 Prozent sind der Meinung, dass die Anerkennung die Voraussetzung für Verhandlungen sein müsse, während 40 Prozent nichts dagegen hätten, die Diskussion um die Anerkennung auf einem späteren Zeitpunkt zu verschieben. Nur 17 Prozent lehnen die Forderung nach einer Anerkennung des jüdischen Staates ab.

Zwischen 66 und 31 Prozent der jüdischen Israeli vertreten inzwischen die Ansicht, dass ihre Regierung mehr für einen umfassenden Frieden mit den Arabern auf der Grundlage der Grenzen von 1967 tun müsse. 47 Prozent halten die Zwei-Staaten-Lösung für gescheitert und sind der Meinung, dass der Status quo mit einigen wenigen Ausnahmen bestehen bleiben werde. 34 Prozent fürchten, dass er in einen langen und heftigen Konflikt führen werde. [Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann | 2. Dezember 2011]

Original > http://ipsnews.de/news/news.php?key1=2011-12-02%2018:38:55&key2=1

 

Search