ABRÜSTUNG: 'Mut, Überzeugung, Entschlossenheit' – Ausstellung für Welt ohne Gewalt

AddThis

Von Johanna Treblin

Berlin (IPS) – Ein achtjähriger Junge blickt mit großen Augen in die Kamera, auf dem Schoß hält er ein Maschinengewehr. Links daneben ist ein Bild zu sehen, auf dem ein Junge mit nacktem Oberkörper am Boden liegt, zwei andere treten nach ihm, ein vierter springt auf seine Beine. Die Bilder sind zurzeit in der Urania in Berlin zu sehen – dort zeigt eine Ausstellung noch bis zum 16. Oktober, wie statt einer Welt der Gewalt und des Krieges auch ein friedliches Miteinander möglich ist, wenn sich Menschen dafür engagieren.

"An der Spitze der Gewaltpyramide steht die Atombombe", heißt es im Text der Ausstellung 'Von einer Kultur der Gewalt zu einer Kultur des Friedens', die die in Japan gegründete Anti-Atomwaffen-Organisation 'Soka Gakkai International' (SGI) nach Berlin gebracht hat. Die SGI schätzt, dass die Zahl der Atomwaffen weltweit bei 23.000 liegt. Ein Großteil davon gehört Russland (9.600) und den USA (12.000). Weit darunter liegen Frankreich und Großbritannien mit 300 und 225 Atomwaffen und China mit 240. Doch es gibt auch nuklearfreie Zonen, dazu gehören Lateinamerika, Neuseeland und Afrika.

Die Ausstellung für eine Welt ohne Atomwaffen – die in Deutschland vom 'Global Cooperation Council' und den 'Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkrieges' (IPPNW) begleitet wird – ist erst nach einer vierjährigen Weltreise in Berlin angekommen: Sie wurde bereits in mehr als 220 Städten in 28 Ländern auf allen Kontinenten gezeigt und hat überall die Menschen bewegt, wie Ramesh Jaura, Vorsitzender des Global Cooperation Council, am Freitag zur offiziellen Eröffnungsfeier der Ausstellung in Berlin betonte, der die Ausstellung bereits in Oslo und in Wien gesehen hat. "Sie hat bei den Besuchern dort sehr ähnliche Emotionen hervorgerufen – ob es Vertreter der Zivilgesellschaft waren oder hochrangige Diplomaten."

Ziel: Mehr Engagement gegen Atomwaffen

SGI-Vizepräsident Hiromasa Ikeda lobte Berlin als Stadt des Friedens und hob die deutsche Anti-Atom-Bewegung der 80er Jahre positiv hervor: "Das deutsche Vorbild hatte großen Einfluss auf die Anti-Nuklearwaffen-Bewegung in Japan", erklärte er und stellte das Ziel der Ausstellung vor: "Wir wollen dazu beitragen, dass Atomwaffen weltweit abgeschafft werden, und dass immer mehr Menschen sich für dieses Ziel engagieren."

Dass eine Ausstellung genau dies erreichen kann, zeigt sich am Beispiel von Xanthe Hall. Mit 19 sah die Schottin eine Ausstellung über Hiroshima, was sie dazu veranlasste, sich für die Abschaffung von Atomwaffen zu engagieren. 1995 gründete sie das weltweite Netzwerk gegen Atomwaffen 'Abolition 2000', heute ist sie Abrüstungsreferentin der IPPNW. "Ich möchte die Abschaffung von Atomwaffen noch in meiner Lebenszeit erleben", wünscht sich die Britin.

"Es geht um menschliche Sicherheit und nicht um nationale Sicherheit", sagte Hall in Berlin und zweifelte die verbreitete Logik an, dass Sicherheit durch Waffengewalt hergestellt werden könne: Wie solle es möglich sein, Menschen eine sichere Umgebung zu gewährleisten, indem Waffen eingesetzt werden? Für eine wirklich sichere Zukunft müsse sich die Menschheit von den nuklearen Fesseln befreien, so Hall.

Die Probleme begännen schon mit dem Uranabbau und den damit häufig verbundenen Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen. Weiter gehe es mit der Urananreicherung. "Wenn die Technologie erst einmal da ist, dann kann sie auch für die Herstellung von Waffen verwendet werden." Hinter zivilen Atomprogrammen – für die Energieversorgung beispielsweise – könne so ein Atomwaffenprogramm versteckt werden, wie im Fall des Iran vermutet wird." Schließlich werde bei der Energieerzeugung Plutonium hergestellt, was wiederum für Waffen genutzt werden könne. "Am Ende der Kette steht der Atommüll, an den wir Menschen tausende von Jahren gefesselt sind."

Globale Energiewende für ein Ende der atomaren Gewalt

Hall forderte, weltweit den Uranabbau sowie Atomtransporte zu verbieten und kein spaltbares Material mehr herzustellen. Uranwaffen sollen weltweit verboten werden, ebenso wie Atomwaffentests. Schließlich forderte sie eine Konvention zur Abschaffung von Nuklearwaffen und eine globale Energiewende hin zu erneuerbaren Energien.

"Der Vertrag über einen Teststopp für Atomwaffen muss dringend in Kraft treten", sagte in einem Grußwort die SPD-Parlamentarierin Uta Zapf, die dem Bundestag-Unterausschuss für Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung vorsitzt. "Das Testmoratorium der großen Nuklearwaffenbesitzer USA, Russland, China genügt nicht – nur ein Vertrag, der von allen Nuklearwaffenbesitzern ratifiziert ist wird uns Gewissheit geben, dass in Zukunft keine neuen Nuklearwaffen mehr gebaut werden. Die USA sind dort der wichtigste Staat, der ratifizieren muss – aber im augenblicklichen Zeitpunkt sehe ich eher schwarz!", fügte sie hinzu.

"Größte Hindernisse sind drei andere Staaten: Indien, Pakistan und Israel. Sie sind Nuklearwaffenstaaten, gehören aber nicht zu den Mitgliedsstaaten des Nichtverbreitungsvertrages. Ihre Unterschrift und Ratifikation des CTBT, des Atomteststoppvertrages, sind nötig für das Inkrafttreten des Vertrages", so Zapf.

Einer konnte bei der Ausstellungseröffnung leider nicht anwesend sein: Hideto Sotobayashi, einer der letzten Überlebenden des Atombombenangriffs auf Hiroshima. Der emeritierte Chemie-Professor der Technischen Universität Berlin berichtet seit einigen Jahren immer wieder öffentlich von seinen Erfahrungen während des vom damaligen US-Präsidenten Harry Truman angeordneten Abwurfs von Atomwaffen auf die Städte Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945. Seine Teilnahme hatte Sotobayashi auch für diese Veranstaltung zugesagt, war jedoch kurzfristig verhindert. Die Ausstellung erinnert auch an zwei Tage in zwei Städten, an denen mehr als 160.000 Menschen starben.

Die Ausstellung will aber auch Hoffnung machen. So zeigt der zweite Teil Alternativen zum nuklearen Aufrüsten auf: Durch verstärkten Dialog und bessere Bildung müsse die Verbundenheit unter den Menschen, auch über Landesgrenzen hinweg, gestärkt werden. Und das geht nur mit Menschen, die sich engagieren: "Es braucht Mut, Überzeugung, Ausdauer und Entschlossenheit, um für den Frieden zu arbeiten." (10. Oktober 2011)

Links:
http://www.sgi.org/resource-center/ngo-resources/peace-disarmament/ths-overview.html
http://www.kulturdesfriedens.org/
http://www.sgi.org/
http://www.ippnw.de/
http://www.gc-council.org/

 

Search