Weltgipfel für die Sicherheit von Atomreaktoren angekündigt

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Von Thalif Deen

New York (IPS) – Der katastrophale Reaktorunfall im japanischen Fukuschima hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon veranlasst, für September ein hochrangiges Treffen einzuberufen, das sich mit einem politisch heiklen Thema befassen wird: der atomaren Sicherung von Kernkraftwerken.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der 192 UN-Mitgliedstaaten soll am 22. September während der nächsten Sitzungsperiode der UN-Vollversammlung stattfinden. Eine Neubewertung nuklearer Risiken sei angesichts der Tragödie in Japan dringend erforderlich, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am 11. Mai gegenüber Journalisten in New York.

Ban zufolge gilt es wichtige Fragen rund um die Entwicklung und den Bau von Atommeilern und qualitativ hochwertige Sicherungs- und Kontrollmechanismen gründlich zu analysieren. Zudem müssten die Kosten, Risiken und Vorteile sowie die Zusammenhänge zwischen atomarer Sicherung, nuklearer Sicherheit, etwa vor einem Atomkrieg, und nuklearer Nichtverbreitung dringend diskutiert werden.

"Wir müssen sehr vorsichtig und wachsam gegenüber der Gefahr sein, dass spaltbares Material oder Atomtechnologien in die Hände falscher Personen, Staaten, Terrorgruppen oder ein Land fällt, dessen Regime sich nicht dem Weltfrieden und der internationalen Sicherheit verpflichtet fühlt", sagte der UN-Chef.

Die massiven Schäden am japanischen Kernkraftwerk, ausgelöst durch das verheerende Erdbeben und den Tsunami im März, haben im Umfeld der Anlage eine lebensbedrohliche radioaktive Verseuchung und eine Massenflucht ausgelöst. Das Ausmaß der Katastrophe veranlasste die Vereinten Nationen, das Unglück in Fukuschima mit dem Atom-GAU in Tschnernobyl von 1986 auf eine Stufe zu stellen, der in einigen europäischen Ländern und vor allem in Weißrussland, Ukraine und Russland eine Katastrophe auslöste.

Wie John Burroughs vom 'Lawyers Committee on Nuclear Policy' gegenüber IPS erklärte, wird das Treffen im September in New York über eine Verbesserung der Sicherung von Kernkraftwerken am Thema der nuklearen Abrüstung nicht vorbeikommen. Er geht davon aus, dass die Begeisterung für eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen schnell nachlassen werde. Das habe mit dem höchst diskriminierenden System zu tun, dass die Welt in eine Minderheit von Staaten mit Atomwaffen und –meilern und eine Mehrheit von Ländern ohne Kernwaffen und Atomkraftwerken einteile.

Der UN-Generalsekretär, der nach eigenen Angaben die Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt voll und ganz unterstützt, hat eine Studie über die weltweiten Auswirkungen des Fukuschima-Unfalls in Auftrag gegeben. Die Untersuchung soll auch der Frage nachgehen, wie die internationale Gemeinschaft der zunehmenden Hausforderung von Naturkatastrophen für die nukleare Sicherung gerecht werden könnte.

Ban zufolge wird das September-Treffen auf der nächsten Monat in Wien stattfindenden Ministerkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aufbauen, die sich mit erforderlichen Sicherungsmaßnahmen als Antwort auf die Ereignisse in Fukuschima befassen wird. Es sei zudem als Brücke zu dem zweiten Atomsicherheitsgipfel im kommenden Jahr im südkoreanischen Seoul gedacht.
(Deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann | 12-05-2011)

Originalbeitrag: http://www.ipsnews.de/news/news.php?key1=2011-05-12%2011:59:57&key2=1

Links:
http://lcnp.org/
http://www.iaea.org/
http://www.un.org/documents/ga/docs/51/plenary/a51-131.htm
http://ipsnews.net/news.asp?idnews=55599

 

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